Mein Name ist Dagmar Regelsberger und ich betreibe das "atelier regelsberger".

Kunst und Leben sind für mich untrennbar, und so möchte ich hier von Meilensteinen aus meinem Leben erzählen.

Ich beginne im Juni 2020, ich bin gerade 51 Jahre alt geworden,

und wir stecken  mitten  in der Corona Krise.  Ich bin zurzeit, wie  viele andere, in Kurzarbeit und was die Zukunft angeht, so ist da einiges ungewiss.

 Seit 12 Jahren bin ich bei der Lufthansa als Flugbegleiterin beschäftigt.

Als Teilzeitkraft, weil mein Lebensmodell aus dieser Aufteilung besteht, sozusagen einer „bodenständigen“ Tätigkeit in der Luft und auf Reisen, mit der ich mir meinen Lebensunterhalt sichere, und meine seit vielen Jahren kontinuierliche künstlerische Tätigkeit in meinem Atelier, die mir meinen Traum vom Kunstschaffen erhält.

Das hat bisher ganz gut funktioniert. Meinen Beruf bei Lufthansa habe ich immer mit Freude ausgeübt, konnte mein Fernweh mit Heimweh verbinden, und meiner Neugier, meine Lust auf die Welt, auf Menschen und verschiedenen Kulturen gerecht werden.

Für mich sind diese beruflichen Reisen wie „Weltenspaziergänge“, kurze Aufenthalte aber dennoch voller Erlebnissen und Eindrücken von der Welt, von Orten die ich sonst nie in meinem Leben gesehen hätte.

Bevor ich zur Lufthansa kam war ich selbstständig. Ich betrieb ein kleines Atelier in Wettmar (das heutige Schlösschen) und arbeitete hauptsächlich an meinen Mosaikarbeiten.

Nebenbei war ich Kursleiterin, für Erwachsene und Kinder an verschiedenen Kunsteinrichtungen in der Umgebung.

Außerdem habe ich als Italienisch Dozentin beim Bildungsverein Hannover Bildungsurlaube und Kurse gegeben und gelegentlich auch als Dolmetscherin,  simultan und konsekutiv gearbeitet (Englisch –Italienisch -Deutsch).

Davor lebte ich 12 Jahre in Italien.

In Kalabrien war ich Deutsch Lektorin an einem Gymnasium in Catanzaro Lido,  Reiseleiterin und Deutsch Lehrerin am deutschen Kulturinstitut Catanzaro.

Ich wohnte in Squillace Superiore, auf einer Anhöhe direkt am Golf von Soverato und die Stimmungen, Farben und Geschichten dieser Zeit haben mich tief geprägt.

Dort habe ich ernsthaft begonnen, mich mit Malerei zu beschäftigen, in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit des kalabrischen Winters.

Bevor ich nach Kalabrien kam, lebte ich in Palermo,

wo ich mein Studium der Bildhauerei an der "Accademia di belle Arti“ abgeschlossen habe.

Das Studium dort ist klassisch ausgerichtet gewesen. Mein damaliger Professor war davon überzeugt, dass man als angehender Bildhauer klassische Fundamente braucht, demnach gab es sehr strenge Richtlinien. Wir hatten viele Diskussionen und ich war in meinem Bereich die einzige Ausländerin an der Akademie, und damit eben anders denkend.

Sehr gerne habe ich an Portraits gearbeitet aber irgendwann kam ich an meine Grenzen und habe mich nach dem Sinn gefragt, immer wieder klassische Gipsstatuen in Ton abzumodellieren in der heutigen Zeit. Meine Frage war eher – "wo steht die Kunst heute, was möchte ich eigentlich sagen und welche Möglichkeiten habe ich dazu", aber ich war in Palermo, und da war alles anders.

Ich hatte das Glück Dozenten kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, mit denen ich inspirierende und wegweisende Auseinandersetzungen hatte und die mich darin bestätigt haben auch andere Wege zu finden. So kam es, dass ich meine Diplomarbeit über Rebecca Horn geschrieben habe, die dort kaum jemand kannte. Sizilien hat diesen „Inselstatus“, und das habe ich zu spüren bekommen. Nordeuropa mit den Werten, die ich kannte und mit denen ich aufgewachsen bin war unendlich weit entfernt.

Ich denke mein wahres Studium in Palermo war Palermo selbst.

Nie wieder hat mich eine Stadt so sehr in ihren Bann gezogen. Es ist eine Hassliebe gewesen, Palermo ist die schönste und zugleich hässlichste Stadt die ich kenne. Himmel und Hölle existieren dort sichtbar und spürbar parallel.

Wie ich nach Palermo gekommen bin?

 Über Begegnungen und letztendlich habe ich das Angebot erhalten in einem Cabaret Ensemble mitzuwirken mit regelmäßigen für eine Studentin gut bezahlten Auftritten.

Und auch das Theater war einmal eine große Leidenschaft von mir. Also bin ich diesem Ruf gefolgt.

Davor lebte ich in Carrara, wo ich mein Bildhauereistudium begonnen habe.

Da denkt man an den Marmor aus Carrara, und in diesen Marmorsteinbrüchen bin ich dann auch gelandet und zwar so ziemlich mittendrin, in einem kleinen Bergdorf namens Bedizzano.

Zwei Jahre habe ich dort verbracht und es vor allem genossen viele Bildhauer aus der ganzen Welt kennenzulernen, die die Kunstakademie genutzt haben, um mit Marmor zu arbeiten.

Bevor ich nach Carrara kam, lebte ich in Pisa und Florenz.

In Pisa fing alles, was mit meiner Italienreise zusammenhängt an.

Die Zeit dort war ein Aufbruch in ein neues Leben, wie eine neue Identität, eine neue Sprache und komplett neue Perspektive.

Hier habe ich mich 4 Wochen lang auf die Aufnahmeprüfung an der Linguistischen Fakultät in Florenz vorbereitet, ich wollte dort unbedingt Anglistik und Romanistik studieren, konnte aber kein Wort Italienisch.

 Zu diesem Zweck kontaktierte ich vorher das Göttinger italienische Kulturinstitut  und erhielt ein Stipendium für einen Sprachkurs in Pisa. Danach ging ich zur Aufnahmeprüfung und bestand sie.

Das mit dem Studium hat sich dann bald als Fehlentscheidung herausgestellt. Im ersten Jahr gelangte ich mitten in die Studentenbewegung “ Pantera nera“ und als Neuankömmling in Italien war es etwas schwierig für mich da durchzusteigen. Wie auch immer, Italien und einige Freunde aus der Kunstakademie Florenz haben mich immer mehr darin bestärkt, dass ich eigentlich Künstlerin sein wollte, und damals  sah ich mich als Bildhauerin, was ich heute nicht mehr tue. Also habe ich alles daran gesetzt die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie Carrara zu bestehen, mit Hilfe einer einjährigen Vorbereitung an einer privaten Kunstschule in Pisa, Aktzeichnung, Flachrelief, Kopien aus  Ton klassischer Vorbilder.

 Und bestand sie auch. Und davor

war ich in Deutschland und habe mein Abitur gemacht.

 Mit 17 war ich  Austauschülerin in Augusta, Maine , USA.

 Geboren bin ich in Erlangen, da kommt meine Familie her, und da war ich auch am liebsten während meiner Kindheit.

In den Ferien bin ich oft von Hannover nach Nürnberg zu meiner Oma geflogen und fand das toll, wer weiß was sie bewirkt hat, die viele Fliegerei damals.

So ungefähr war das alles –

 Der Vollständigkeit und Wahrheit halber möchte ich noch hinzufügen, dass auch viele leidgeplagte Phasen durch diese Wege führten und ich auch so einigen Dämonen begegnet bin.

So ist das Leben.

 Und ehrlich gesagt, wenn ich an eine Wegbiegung  kam, an der ich "einfach oder schwer" wählen konnte, habe ich mich immer und sofort  für „schwer“ entschieden.

Ich schreibe das, weil viele Menschen wenn sie Farben, Freude und Leichtigkeit sehen, oder bei anderen erleben, dem Ganzen Oberflächlichkeit vorwerfen und gerne vergessen, dass eine positive Haltung eine Entscheidung ist und manchmal harte Arbeit erfordert.

Leben und Kunst sind wie gesagt für mich nicht voneinander zu trennen, und ich schreibe diese Worte um Hintergründe zu meinen Bildern zu geben.

Mich interessieren Lebensgeschichten von anderen sehr, zu erfahren wie andere ihren Weg gehen, auf welche Hindernisse sie stoßen, wie sie damit umgehen, was sie antreibt.

Das inspiriert mich manchmal, und motiviert mich in meinem eigenen Tun. Es macht mir Mut.

Und sollte es mir gelingen dies auch bei anderen zu bewirken, dann würde mich das sehr glücklich machen.

Seit 4 Jahren setze ich mich intensiv mit buddhistischer Philosophie auseinander und praktiziere eine internationale buddhistische Ausrichtung mit Ursprung in Japan.

Darin geht es unter anderem um das innere Potential, das jeder Mensch in sich trägt, und dass man dieses Potential erkennen und etwas daraus machen kann.

Mir ist bewusst, dass nicht jeder die gleichen Chancen in dieser Welt hat,  aber manchmal erkennen wir die Gelegenheiten und Möglichkeiten die wir haben einfach nicht.

 Diese Corona Zeit zeigt mal wieder wie fragil alles ist und wie vergänglich. Nichts ist selbstverständlich.

Ich habe vor 10 Jahren den Terroranschlag in Mumbai erlebt und überlebt.

Das hatte Konsequenzen für mich.

Heute ist wieder so eine Phase, viele Existenzen sind bedroht, in vielerlei Hinsicht.

Meine persönliche Konsequenz ist Handeln, solange ich das kann, möglichst bei klarem Bewusstsein, mich weiterzuentwickeln und zu lernen, etwas aus meinem Leben zu machen, dankbar zu sein, zu teilen und mich einfach zu freuen, wenn ich das kann.

Ich weiß nicht wie es beruflich bei mir weitergeht, aber ich weiß sicher, dass ich mich immer in irgendeiner Form mit Kunst beschäftigen werde und dass sich Wege und Perspektiven auftun werden.

Ich glaube, dass jeder Mensch  ein Künstler ist, so wie Joseph Beuys das in seinem "Erweiterten Kunstbegriff" beschreibt.

Danke für Ihr Interesse

 

Dagmar Regelsberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

atelier regelsberger

 

E-Mail: dregelsberger@web.de

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