Ich möchte an dieser Stelle noch etwas über meine Arbeiten und meine Intention schreiben.

Wie Sie vielleicht gesehen haben handelt es sich um sehr verschiedene Werke, die sich über einen Zeitraum von ungefähr 17 Jahren erstrecken. Da ändern sich natürlich Themen und Inhalte, und ich denke, dass Bilder für sich sprechen. Dennoch möchte ich Ihnen einige Hintergrundinformationen geben.

 

In meiner Zeit in  Kalabrien habe ich begonnen, mich für Glas zu interessieren und Glasschneiden, Schmelzen und verschiedene Mosaiktechniken erlernt. Parallel habe ich mich mit abstrakter  Malerei beschäftigt, die Stimmungen und Energien des Südens in sich trug. Ich nutzte Holzuntergründe, auf denen ich mit Gips Struktur schuf.

Oft vermischt mit Sand oder diversem Strandgut, Fossilien, Muschelteilen, vom Meer angespültes Flaschenglas und was immer ich fand, oder was mich bewegte und inspirierte.

Darauf habe ich dann vorwiegend mit Ölfarben gemalt und lange experimentiert, um eine bestimmte Leuchtkraft, gerade der ultramarinblau Palette in Verbindung mit diesem Gipsuntergrund zu schaffen. Ich lebte direkt am Meer, und befand mich mitten in den verschiedensten Farbnuancen, die Licht, Himmel und Meer im Süden immer wieder neu erschaffen.

 

Später habe ich dann Malerei mit Glasmosaik oder Glaselementen zusammengeführt.

Oft verwende ich Spiegel.

Teilweise sind sie so klein geschnitten, dass sie nicht sofort im Bild erkennbar sind und nur auf Lichteinflüße reagieren und zum funkeln kommen. An anderen Stellen sind sie großflächig in konkrete, bevorzugt in runde organische Formen gebracht. Ich benutze Spiegel unter anderem als Sinnbild für innere Reflexion und Auseinandersetzung und das Verhältnis von Innen und Außen. Die Umgebung und der Betrachter werden so Teil des Bildes.

 

In letzter Zeit habe ich auf meinen Reisen viel fotografiert. Einige Fotografien vom Friedhof  "La Recoleta“ in Buenos Aires, aus Indien und Hongkong habe ich in entfremdeter und versteckter Form in Bildern integriert.

Auch mexikanische Motive tauchen auf. Ich bin oft in Mexiko gewesen und liebe die Farbkraft und Motive der dortigen Keramik.

Dazu gehört auch das große Bild mit den fröhlichen Totenköpfen (Mixed Media C 20).

Ich hatte das Glück am „Dia de Muertos“ (Tag der Toten) in Mexiko City gewesen zu sein und war beeindruckt davon wie dort mit dem Tod umgegangen wird. An diesem speziellen Tag werden die Toten geehrt und Züge von als fröhliche bunte Skelette verkleideten Menschen ziehen tanzend zu lauter Musik durch die Straßen. Nach dem Volksglauben kommen dann die Verstorbenen aus dem Jenseits und besuchen ihre Familien und besten Freunde.

Das hat mich fasziniert, und so ist dieses Bild entstanden. In anderen Arbeiten sieht man Tarot Karten als „Bild im Bild“, oder Mandala Motive mit Zentangle Ornamentik.

 

Einige meiner Arbeiten beinhalten langwierige und komplexe Arbeitsprozesse, die einen begrenzten Raum für intuitives, spontanes Handeln lassen. 

Manchmal kommt der Punkt, an dem sich eine vertraute Technik erschöpft und das Verlangen nach etwas Neuem entsteht.

Hier beginnt das Experimentieren, die Suche nach neuen Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten.

So sind unter anderem die Acrylbilder mit Druckluft entstanden.

In diesen Arbeiten werden die Farben mittels eines Druckluftkompressors direkt auf dem Maluntergrund in Bewegung gebracht

Der Maluntergrund variiert dabei, in einigen Fällen besteht er einfach nur aus Leinwand, in anderen kommt eine Gipsstruktur hinzu, die das Fließverhalten der Farben beeinträchtigt.

 

Die Natur und meine Umgebung beeinflussen mich sehr.

Mich interessiert was hinter den Dingen steht, Zusammenhänge zu erkennen und in abstrakter Form sichtbar zu machen, dem nicht Sichtbaren Farbe und Form zu geben.

 

Begriffe wie Lebendigkeit, Lebenskraft, Energie und Schönheit könnte man damit in Verbindung bringen.

Ich denke, dass man Lebenskraft  kultivieren kann, so ähnlich wie einen Garten.

Etwas zu kultivieren ist mitunter mühsam, und ich sehe das als persönliche Verantwortung. 

Meine Bilder sind oft farbenreich - froh und intensiv. Das entspringt einer positiven Haltung, die wiederum  eine Entscheidung ist und manchmal harte Arbeit erfordert. 

 

Vor vielen Problemen, die uns umgeben, stehen wir mit einem Gefühl von Ohnmacht, Überforderung und im schlimmsten Fall Resignation.

Ich glaube an die Kraft und Möglichkeiten des Einzelnen. Jeder kann auf seine Art und mit persönlichem Engagement einen Beitrag leisten.

 

Seit 4 Jahren setze ich mich intensiv mit buddhistischer Philosophie auseinander und praktiziere eine internationale buddhistische Ausrichtung mit Ursprung in Japan. Darin geht es unter anderem um das innere Potential das jeder Mensch in sich trägt und darum dieses Potential zu erkennen um etwas daraus zu machen.

Auch wenn die Möglichkeiten die wir haben sehr unterschiedlich sind, denke ich doch, dass es ein gutes Anliegen ist glücklich zu sein und damit auch zum Glück anderer beizutragen. Den Weg als Ziel zu betrachten.

 

Über Kunst, Kultur und kreatives Handeln werden Beiträge geleistet.

Viele haben das in dieser Zeit der Corona Pandemie erfahren, deren Auswirkungen wir mehr oder weniger noch immer spüren. Die Konzerte auf den Balkonen in Italien oder Beethovens  „Ode an die Freude“ haben unglaublich berührt. Man spürt irgendwie wieder, worauf es ankommt. 

 

Ich glaube, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Kreativität ist nicht auf das „Kunstschaffen“ beschränkt, sondern kann in der Gestaltung des Alltags gelebt werden. Es gibt so viele Wiederholungen im Alltagsleben. Es ist unsere eigene Aufgabe sich immer wiederholende Abläufe mit Leben zu füllen und damit zufrieden zu sein, oder den Mut zu haben, Abläufe zu ändern und Fragen zu stellen.

Ich finde die Frage wichtig, was wir aus unserem Leben machen möchten.

So gesehen  glaube ich daran, dass jeder Mensch ein Künstler ist, so wie Joseph Beuys das in seinem "Erweiterten Kunstbegriff" beschreibt, oder zumindest sein kann.

 

Was  Kunstwerke angeht, denke ich, dass sie immer wieder neu inspirieren, jeden und jedes auf eine andere, besondere Art und Weise.

Sie strahlen Energie aus, vermitteln Inhalte, erzählen Geschichten oder rufen Geschichten hervor, oft auf intuitiver, emotionaler und unbewusster Ebene.

 

Kandinsky schrieb in seinem Buch „Über das geistige in der Kunst“ sinngemäß, dass über die Kunst Saiten berührt und zum Klingen gebracht werden. Dadurch entsteht so etwas wie eine innere Musik, eine Resonanz zwischen Bild und Betrachter.

 

Ich glaube an das gegenseitige Erzeugen von Resonanzen, die manchmal zwischen Menschen entstehen und an gegenseitige Inspiration.

Dies ist eine in dieser Form nie dagewesene Zeit, die sehr verschiedene Spuren hinterlässt. Dennoch glaube ich daran, dass Krisen auch Chancen innewohnen können.

 

Während meiner Studienzeit habe ich etwas über den Bildhauer Wilhelm Lehmbruck gelesen, was ich nie mehr vergessen habe.

Es ging darum, eine Fackel weiterzureichen und dafür zu sorgen, dass sie niemals erlischt.

So wie in dem eingangs  zitierten Gedicht von George Bernhard Shaw.

 

 

 

 

 

 

 

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